Referat vom 7.Mai 2026, Vinzenz Meyer aus Willisau
Im 2014 besuchte Vinzenz Meyer aus Willisau mit einem weiteren Imkerkollege das Bienenprojekt in Nicaragua, dass die Schweizerin Irene Lehmann mit ihrem nigaraguanischen Mann lanciert hat.
Ihre Zielvorstellung war 600 Bienenvölker zu halten. Damals hatten sie gerade 330 Bienenvölker auf 80 Bienenstände im Vulkangebiet.
Kurz gab Vinzenz einen Eigenblick in das südamerikanische Land. In Nicaragua herrscht eine grosse Jugendarbeitslosigkeit von ca. 50% und nur 79% haben eine Schulbildung dementsprechend ist die Analphabetenrate bei ungefähr 18%. Die Fortbewegungsmittel erfolgt über Pferd, Velo, Auto, sogar Polizisten werden per Autostopp mitgenommen. Also, da gibts keine Hektik im Strassenverkehr. Seit drei Jahren herrscht eine Regierung, die sehr korrupt ist und somit kann die Schweizerin nicht mehr einreisen, da sie befürchtet nicht mehr ausreisen zu können. Das Klima ist zwischen 25 und 38 Grad. Für die Bienen gibt’s während der Regenzeit eine zweimonatige Trachtpause. Ja da herschen in der Schweiz im Vergleich zu Nicaragua traumatische Verhältnisse.
Nun erzählte Vinzenz interessantes aus der Imkerei. Da hingen zum Beispiel alte Bienenkästen an einem Baum…. als Schwarmfänger.
Da sie Killerbienen halten, eine Kreuzung der mittelamerikanischen und afrikanischen Biene wird die Arbeit aufs notwendigste reduziert. In dieser Region ist keine Fütterung notwendig. Ist eine Königin vorhanden? … da wird einfach eine Brutzarge auf das vermeintliche weisellose Volk gestapelt, entweder sie ziehen eine Weiselzelle oder sie nehmen die Königin an und beim anderen Magazin wird eine Weiselzelle nachgezogen. Wabenerneuerung oder Brutkontrolle, da wird keine Zeit investiert.
Während der Regenzeit haben sie teilweise hohe Völkerverluste, da die Deckel der Magazine nicht dicht sondern morsch sind. Wäre eine einfache Angelegenheit sie auszutauschen, aber es wird nichts erneuert. Schade meinte er, hätte die Schweizerin Erfahrung in der Imkerei würden die einfachen Erneuerungen einfliessen und das Bienenprojekt hätte bessere Zukunftsaussichten.
Interessant war die Schilderung wie sie Honig ernten. In der Nacht zwischen 22 - 04Uhr auf dem Felde. Dazu werden zusätzliche Helfer angefeuert. Zur Verfügung standen zwei handgetriebene Radial-Honigschleuder, eine mit 12 die andere für 16 Honigwaben. Die Magazine wurden allseitig mit Rauch eingeräuchert, nach geraumer Zeit konnten die Zargen abgehoben werden und mit einem Schlag vielen die narkotisierten Bienen auf den Boden. Grosszügig wurde abgedeckelt und anschliessend im Freien geschleudert und zwar ohne Sieb. Vinzenz war erstaunt, wie wenig Wachs der Honig enthielt und der Rauchgeschmack stach auch nicht hervor. Etwa 800 kg Honig wurde in einer Nacht geerntet, in Honigfässer mit Farbanstrich abgefüllt… Hygiene ist da ein Fremdwort.
Erstaunlich war die moderne Abfüllanlage. Der Honig wurde in kleine Beutel abgefüllt und werden so von der Bevölkerung erworben. Günstiges Gesundheitsmittel, dass bei zahlreichen Krankheiten angewendet wird. Bei seinem Besuch funktionierte die Abtrennung der Beutel mit der Anlage nicht, so wurden kurzerhand zwei Helfer angestellt, die mit einer Schere die Beutel trennten und anschliessend wurden sie noch gewaschen. Einwandfrei ohne klebrige Rückstände erwarb Vinzenz ein paar Hundert und übergab diese im Hotel als Werbegeschenk.
Seine Schlussfolgerung zu diesem Bienenprojekt in Nicaragua, um es wieder auf Erfolgskurs zu bringen, wäre eine begleitende einjährige Unterstützung von einem Schweizer Imker notwendig.
Ein spannender zweistündiger Vortrag neigte sich dem Ende entgegen und die Anwesenden bedankten sich mit einem kräftigen Applaus. Herzlichen Dank Vinzenz